Heilige Unterwelten und antike Trümmer

By mamamarian

Nachdem ihr die Berichte der ersten drei Tage gelesen habt (oder auch nicht, denn sie sind sehr ausführlich, vielleicht auch langweilig für den einen oder anderen), fragt ihr euch sicher: woher weiß die Marianne das alles?!

Nun, da ich mich vor unserer Reise überhaupt nicht mit Rom beschäftigt hatte, ja noch nicht mal einen  Marco-Polo-Einfach-Reiseführer hatte, musste ich mich im Nachhinein informieren. Dem Internet sei Dank kann man wunderbar recherchieren und die besuchten Stätten einfach noch mal besichtigen, virtuell eben. Da ich die Ausführungen von Markus, Hanno und den professionellen Führern sehr informativ fand, will ich euch diese Informationen natürlich auch weitergeben, damit ihr die Bedeutung dieser Stadt und seiner Einrichtungen auch nachvollziehen könnt.

Am Mittwoch, 18. Oktober, ging es wieder in die Unterwelten Roms. Diesmal in die Priscilla-Katakomben, etwas außerhalb Roms, an der alten Salzstraße (Via Salaria), auf der seit Urzeiten die Salzkarawanen in die Stadt zogen. Wir fuhren mit dem Bus dorthin, waren fast eine Stunde unterwegs. Aber die lange Anfahrt hat sich wirklich gelohnt. Die Führung war auf Englisch, aber doch gut verständlich.

Das Thema Katakomben finde ich besonders spannend, deshalb hier zwei Links, in denen ihr selbst noch mal nachlesen könnt, wenn es euch interessiert.

http://www.catacombe.roma.it/de/ricerche/ricerca19.html

http://www.wienerzeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&lexikon=Geschichte&letter=G&cob=5179

Rom hat viele Katakomben vor den Stadttoren, mit einem Wegenetz mit einer Länge von 875 Kilometern, vor fast 2.000 Jahren mit einfachen Werkzeugen in den vulkanischen Tuffstein gegraben! Dazu hunderte senkrechte Luftschächte und Abermillionen von Nischengräbern, zum Teil wunderhübsch bemalt oder mit Marmor ausgelegt!

In der von uns besuchten Priscilla-Katakombe waren über 40.000 Menschen begraben, und bekannt wurde sie durch ihre frühchristlichen Fresken aus dem 2. und 3. Jahrhundert, z.B. der gute Hirte oder die wohl älteste Marien-Darstellung. (siehe Foto)

 

                                                                     priscilla-katakombe-madonna-1.jpg

Beeindruckend fand ich auch die frühchristlichen Monogramme, die an den Wänden und in einigen Grabkammern zu sehen sind. Der Fisch, das Christus-Monogramm, Alpha und Omega, der Anker und die Friedenstaube mit dem Ölzweig. Hier erlebt man hautnah die Kirche der Ursprünge, mit ihren Gebräuchen und Riten.

 

Das Gerücht, dass die ersten Christen die Katakomben als Versteck vor Verfolgern genutzt haben, hält sich hartnäckig, stimmt aber nicht! Warum bauten die Römer also ihre Friedhöfe in die Tiefe? Nach römischem Recht durften Tote nur außerhalb der Stadt begraben werden. Mit der zeit wurde der Platz knapp. Die Christen begannen wohl als erste, ihre Verstorbenen in unterirdischen Gängen zu bestatten. Mit der Zeit entstanden so mehrstöckige Anlagen, und am Todestag der Gemeindemitglieder wurden Feiern abgehalten. Man traf sich an den Gräbern mit der Verwandtschaft, aß und trank und gedachte der Toten. Nach dem Niedergang des Römischen Reiches um 500 n. Chr. plünderten Barbaren viele der Katakomben, die Päpste brachten die Reliquien der Heiligen und vieler anderer Toten in die Kirchen der Stadt. Dann gerieten die unterirdischen Friedhöfe in Vergessenheit und erst im um 1600 entdeckte ein gewisser Antonio Bosio die Katakomben wieder. Erforscht und für die Öffentlichkeit zugängig gemacht wurden sie erst Mitte des vorigen Jahrhunderts und sind heute wieder Anziehungspunkt für viele Pilger und Besucher. 

Nach dieser beeindruckenden Reise in die Unterwelt Roms fuhren wir alle wieder mit dem Bus in die Stadt. In kleineren Gruppen verbrachten wir dort die Mittagsstunden, Marco, Saskia, Manni, Harald und ich gingen noch mal zum Campo di Fiori zum Cappucchino trinken, Lädchen gucken und Mittagessen. 

Und das Pantheon mussten wir uns ja noch von innen anschauen. Das war jedoch eine Enttäuschung…nicht wegen des Baus an sich, sondern  wegen der Massen von Leuten, die sich zu dieser Zeit dort hineinquetschten. Wie auf einem großen Bahnhof, nicht wie in einer Kirche. Dabei ist das Pantheon auch ein wichtiger Zeitzeuge des alten Rom. Kaiser Hadrian ließ es um 100 n. Chr. als Kaiseraula und Tempel für die römischen Hauptgötter auf dem Marsfeld bauen. Später, so um 600 herum, wurde es eine christliche Kirche.

Das Hauptgebäude des Pantheons ist ein überwölbter Rundbau von ca. 43 m Innendurchmesser und -höhe. Da er im Inneren ebenso breit wie hoch ist, berührt die Kuppel – als vollständige Kugel gedacht – genau den Boden. An der Decke befindet sich eine 9 Meter große Öffnung, die als einzige Lichtquelle dient. Es regnet allerdings auch rein, das Wasser fließt in der Kirchenmitte über Drainagen ab. Der Vorbau auf den Säulen trug ehemals im Giebel reiche Verzierungen aus Bronze. Diese wurden jedoch für den Bau des Petersdoms benötigt, man verkleidete damit die 4 Säulen des Altarbaldachins.  Am Nachmittag gegen 16.00 Uhr trafen wir wieder den Rest der Reisegruppe und machten uns auf, das Forum Romanum zu erkunden. Vorher führten Markus und Hanno uns zu einer kleinen versteckten Kirche, die nach ihrer Restauration eigentlich fertig sein sollte…aber wir sind halt in Rom und da dauert alles etwas länger. Trotzdem konnte man schon gut erkennen, wie es dann mal aussehen soll. Die Kirche heißt San Stefano Rotondo und strahlte, trotz der Baustelle, eine heimelige Atmosphäre aus. Der kleine Rundbau wurde um 450 errichtet und besteht aus 3 konzentrischen Kreisen (durch Säulen gebildet), in die ein griechisches Kreuz mit Kapellen eingeschrieben ist. Die Überlieferung behauptet, es handelt sich um einen Nachbau der Grabeskirche in Jerusalem. Zur Zeit ist sie die Titelkirche von Kardinal Wetter aus München, der bezahlt wohl auch die Restaurierungsarbeiten.  Jetzt aber zum Forum Romanum. Hanno, der versierte Romkenner und Lateinlehrer, hatten uns, schüler-like, vorher Kopien ausgeteilt, mit deren Hilfe wir uns erst mal einen Überblick über dieses riesige Gelände verschaffen konnten. Rom ist über 3000 Jahre alt und vermutlich lebten bereits 1200 v. Chr. Menschen auf den sieben römischen Hügeln. Zwischen vier dieser Hügel gab es ein Sumpfgelände, in dem Tote begraben wurden. Was allerdings keine gute Idee war…die Leichen schwammen immer wieder obenauf. Also dachte ein schlauer Römer: entwässern wir das ganze Gelände mal und bauen darauf einen Versammlungs- und Marktplatz, eben das Forum Romanum. Es war fortan fast 1000 Jahre lang das Zentrum des Römischen Reiches. Heute sind davon nur mächtige Ruinen geblieben, doch vermitteln diese Überreste dennoch einen Eindruck von der einstigen Größe des alten Roms. Mit einiger Vorstellungskraft kann man sich die Größe und Pracht der ursprünglichen Bauten vorstellen und so auf den Spuren der berühmten Feldherren, Kaiser und Könige der Antike wandern. In der Nähe des Forums gibt es weitere monumentale Bauten aus dieser Zeit zu sehen, wie z.B. das Kolosseum, den Circus Maximus das Capitol und den Palatin, eine riesige Palastruine.

Wir waren am ja späten Nachmittag auf dem Gelände, und die tiefstehende Sonne zeichnete ihr weiches Licht auf die Ruinen…sehr schön! Ein Bau hat es mir wieder besonders  angetan, die Maxentius-Basilika. Nach einem schweren Erdbeben um das Jahr 1350 stürzte das Gebäude ein, erhalten ist nur noch ein Seitenschiff, aber schon das hat überdimensionale Ausmaße. Kaiser Maxentius ließ sich diese Basilika als monumentale Empfangshalle errichten.  Und der Baumeister Bramante ließ sich hier zu seinen Planungen für den Neubau des Petersdoms inspirieren: er hatte die Idee, die Architektur der Maxentius-Basilika und die des Pantheon zu kombinieren, eine riesige Halle mit einer ebenso riesigen Kuppel.

  

So, das war das Forum…auf dem Weg zum Abendessen machten wir noch einen Abstecher zu einem ganz besonderen Mausoleum…einer ägyptischen Pyramide mitten in Rom, an die antike Stadtmauer gebaut. Im 2. Jahrhundert v. Chr. lebte ein gewisser Cestius in Rom. Anscheinend war er auch mal in Ägypten und brachte von dort die Mode mit, sich in einer Pyramide beerdigen zu lassen. So ließ er in 330 Tagen eine für sich bauen, sie ist ungefähr 35 Meter hoch und damit ein Viertel so hoch wie die Cheops-Pyramide.

Apropos Ägypten: in Rom gibt es auch 13 Obelisken, nicht alle original ägyptisch. Sie wurden größtenteils von den römischen Kaisern als Beutegut mitgebracht und sind im ganzen Stadtgebiet aufgestellt.

  

Am Abend gab es dann noch feines Essen, bei Mama. Mama ist eine Dame undefinierbaren Alters, mit glatter Haut, feinen Händen, weißer Schürze und Haube. Sie geht von Tisch zu Tisch, begrüßt ihre Gäste und ist einfach nur anwesend. Eine Speisekarte gibt es dort nicht. Man isst, was Mama gekocht hat, der Preis ist auch immer unterschiedlich. Heute Abend gab es für 20 Euro pro Person Fenchel- und Linsengemüse, Schinken, Oliven, Fleischbällchen und Brot als Vorspeise; Schweinebraten, selbstgemachte Kartoffelchips und Paprikagemüse als Hauptgang und einen Creme-Kuchen mit Mandelsplitter und viel Puderzucker. Dazu Weißwein des Hauses und Wasser bis zum Abwinken. Was will das Touristenherz mehr!  

Eine Antwort zu „Heilige Unterwelten und antike Trümmer“

  1. walmedrx.com sagt:

    Cheap Phentermine…

    hey just stopped by, great stuff…

Eine Antwort schreiben